Der Wortgalerist

 

 

 

Willkommen

auf der Homepage

von Oswald Köberl

 

 

 

   

 

           Zuerst das Heitere, das ich aber ziemlich ernst nehme 

 

 

 

Vorwort

 

 

 

Ich bin ein Chaot. Das Wort hat heute politische Bedeutung erlangt, aber so meine ich es nicht. Nein, es geht um meine Begabung, ein unüberschaubares Durcheinander zu schaffen, und vielleicht ist gerade das der Grund, warum ich mich von festen Formen angezogen fühle. Da habe ich etwas, woran ich mich orientieren,  mich halten kann. Die Ordnung ist ein Faszinosum.  Zur scheuen Verehrung dieses unerreichbaren Prinzips gehört das Entwirren und das Finden von Zusammenhängen. Den Gordischen Knoten würde ich daher nicht alexandrinisch lösen wollen. Ich liebe die Gewitter in den Gehirnwindungen mit ihren unerwarteten Blitzen, so daß ich zum Beispiel gerne Rätsel löse, Kriminalromane verschlinge und früher mit Begeisterung Schach gespielt habe.

 

Vor ähnlich knifflige Aufgaben stellen mich die alten Gedichtformen, ob sie nun in der Antike wurzeln oder in Renaissance und Barock. Da sind musikalische Gesetzmäßigkeiten zu beachten wie Struktur, Proportion und Rhythmus,  Satzmelodie und Gleichklang, vielleicht sogar Symbolik der Vokale - oder ganz einfach die Frage: Wie schlage ich eine Brücke von Reimwort zu Reimwort, ohne die Aussage aus den Augen zu verlieren und ohne die Mühe spüren zu lassen? Und darüber hinaus kann (bei entsprechendem Feinschliff) durch den Reim und durch gezielte Reprisen eine Wirkung erzielt werden, die ins Magische reicht. Nur - warum schreibe ich dann auch reimlose Gedichte? Die Wege und Möglichkeiten sehen dabei zwar anders aus, doch das Geheimnis bleibt. Die Bausteine der Sprache schaffen durch eine besondere Anordnung Symbole, die geistige, in transzendente Bereiche führende Inhalte übermitteln können.

 

Wie dem auch sei: Dichtung ist eine herrliche Möglichkeit, Schöpfungsfreude zu empfinden und dennoch dem Rätselhaften und dem Chaos verbunden zu bleiben. Gerade die ersten Beispiele verdeutlichen aber, daß  mich noch etwas motiviert: Ich spüre, daß  meine Innenräume dringend einer Aufhellung bedürfen und vertausche die Fassaden - das heißt, ich lege viel Gewicht auf das Leichte und gebe dem Ernst fröhliche Kleider.

 

   

 

 

  

 

 

Urlaub auf Ischia - Sant'Arcangelo im Regen

 

 

 

 

 

 

Schreibfeder

 

 

 

Berufung

 

Wie lustbetont ist das Sonettedichten!

Vor allem liebe ich die keuschen, strengen,

die meine Kunst in Vierfachreime drängen

und sich genau nach starren Regeln richten.

 

Bisweilen freilich bleibt man zappelnd hängen:

wie soll das Wortgestrüpp sich wieder lichten?

Da ist es gut, auf Logik zu verzichten

und einfach Sinn mit Unsinn zu vermengen.

 

Dadurch erzielt man ungeahnte Tiefe.

Der Leser naht der nebeldunklen Zone

voll Andacht so, als ob die Gottheit riefe.

 

Das schmeichelt jedem echten Musensohne.

Er neigt das Haupt, das bleiche, demutschiefe,

und fühlt: ihn schmückt die Last der Dichterkrone.

 

 

                      

              

                   

 

                    

    

Ständchen

 

Ich habe etwas falsch gemacht.

Jetzt gilt es, mit der Herzensschönen

mich sehr behutsam auszusöhnen:

Ein Ständchen bring ich heute nacht.

 

Wie schmilzt ihr Groll, wenn sie erwacht

und zarte Liebeslieder tönen,

Trompeten schmettern, Pauken dröhnen

und ab und zu ein Böller kracht!

 

Hör bitte auf, den Kopf zu schütteln.

Sie braucht ein Zeichen meiner Glut,

drum ist am Ständchen nicht zu rütteln.

 

Mir hats mein bester Freund geraten,

der kennt mein Mädchen wirklich gut -

was heißt: du riechst ihn schon, den Braten?

 

 

                  

 

     

              

 

 

 

Versverliebt

 

Wie locken mich die schönen, süßen Formen

der Dichtung. Aber sag, was lächelst du?

Ich meine das im Ernst und gebe gerne zu:

den Versfuß liebe ich und seine Normen.

 

Deshalb erliege ich so schnell den Reizen

von Distichon, Terzine und Sonett

und kuschle mich mit ihnen in mein Bett,

um meine Geistesflamme aufzuheizen.

 

Da wälze ich mich lang und voller Lust

mit meinen Büchern in den keuschen Linnen,

und mancher Seufzer quillt aus meiner Brust.

 

Und dennoch, meinst du, bliebe ganz tief drinnen

ein Plätzchen leer? Das ist mir schon bewußt.

Ein altes Lied. Ich will's nicht neu beginnen.

 

 

 

 

 

 

        

       

 

Ein altes Buch Ramlers Mythologie 1798