Freie Form - Neue Gedichte

    

 

 

Hier finden sich ein paar Beispiele der Lyrik, die nach dem Band "Ich sage ein uraltes Wort" entstanden ist. Aber (der Link links oben versteckt sich ein wenig) es gibt auch eine 2. Seite der Freien Form - "Lyrikpreis" - da sind die Gedichte nachzulesen, die ich für den Kunstpreis der Landeshauptstadt Innsbruck 2008 einreichte und für die mir in der Sparte Lyrik der 2. Preis zugesprochen wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 


Herbst

 

Gelb und Rot, auch ein wenig

Grün, verspätet, gefangen in

 

der Veränderung. Welche

Absicht wohnt noch im Wald?

 

Daß Herbst sei, daß kein Aufenthalt

die Wanderschaft löse, erfahren die

 

kreisenden Blätter, während

ihr Feuerschrei in Asche zerfällt.

 

Aus dem Echo ruft das Erinnern

zur Hasenjagd auf Stunden.

 

 

 

 

 

 


Spurensuche

 

Ein Steinkreis als Gedankenbild,

Erinnerung an Mehlgeruch,

 

die Geräusche der Mühle.

Schon lange spült das Wasser

 

keine Gebete mehr über das

Rad, bewahrt und gültig sind

 

nur Wegspuren der Gefühle

am ertrunkenen Ufer, nicht

 

die Schwüre -  sie wären Hülsen,

kornlos verweht im trüben Tag.

 

 

 

 

 


Gegenspiel

 

Ob Jänner war oder September,

bedeutet nicht viel und gilt alles.

Zahl reiht sich an Zahl, wächst und

zerrinnt im Strom. Abstand als

Auftrag, Gedächtnis der Trauer.

 

Das Urteil zu fällen zwischen Eiche

und Apfelbaum – und zu wissen,

daß auch die alten Mythen

nachwirken unter dem Kornfeld:

Mahnen sie Erntezeit oder Brache?

 

Doppelgesicht ohne Reflex,

aufgewacht und vergessen im

Abschied, der (ein Umfassendes)

über Jahresringe gebietet, vielleicht

über jeden erhofften Beginn.

 

 

 

 

 


 

Am Abend

 

Wenn ich - immer noch - den

Steinen folge, dem Abdruck

(kodierte Botschaft) der Jahre,

hütet Farnkraut, gefächert, den

Wegrand, vielfältig verwobenes

Wachstum, noch flüstert Erinnern

von  verblühtem Klee. Aus dem

Schweigen der Sonnenorgel

löst sich flüchtiger Gegenhall. 

 

Neben mir künden Pappeln,

die ihrer Weisung gehorchen,

im Gleichschritt von Ordnung.

Verdeckt durch Laub  und

Astwerk, zwischen Dunkelheit

gebärenden Zweigen,  singt

eine Oboe in das Vergessen.

 

 

 

 

 

 


Wolken

 

Was Wolken längst wissen, kehrt zurück.

Wir meinten ein Schloß, kristallene

Säle, den Tanz im Blütensturm und

den Donnergang des Feuers

 

über die Brücke der Nacht.  Nichts

verlor sich in der Brust. Wir müßten

offene Schalen formen, dachten wir,

unseren Wünschen und ausstrecken  die

 

Hände. Kinder sind wir geblieben, mit

der Wüste spielend. Und manchmal

sammeln wir durstig die Einsicht,

die aus wissenden Wolken zurückkehrt.