Was dem Wassermann das Meer bedeutet

 

 

 

     

 

 

  

  

Vielleicht ist das Meer

meine Heimat.

Ich kehre bisweilen zurück

in die stille Tiefe,

die alles wußte

und alles vergaß.

Oft spüre ich

den Sog so stark,

daß er mich weiter

und immer weiter

hinabzieht.

Dann erwache ich

auf einem anderen Stern,

dem Tropfen

eines viel größeren Meeres.

Und alles weiß ich.

Und alles vergesse ich

in einem Schweben.

Gerade bin ich

wieder aufgetaucht

und fühle mich

meinem Alltag

noch ein wenig fern.

 

 

 

  


   

In mir beginnen die Märchen,

die alle Wahrheit enthalten,

sagt das Meer,

und die Märchen enden in mir.

Das weißt du aus Träumen.

 

Doch du vergißt,

daß Märchen nicht sterben.

Auch meine alten Götter

sind nicht gestorben,

sagt das Meer.

Lebend kehren wir heim

in die Mutter der Meere

zu den viel älteren Göttern.

 

Komm, sagt das Meer,

laß dich tragen von meinen

Märchen in das Geheimnis der Fluten,

in denen die Zeit ertrinkt.

 

 

 

  

  

 

 

Alte Sagen

haben sich in die Seele gefressen wie Salz.

Verrostete Riegel

verschließen die Tür,

die zum Kielraum führt.

Aber immer noch hallt in meinen Ohren

wie ein Nachklang

die donnernde Stimme der See,

immer noch weiß ich dunkel die Stürme,

das Splittern der Masten,

und ich erstarre

vor dem Blick eines Meergotts.

 

Die Bücher des Meeres

habe ich gelesen,

bevor sie einer erzählte und schrieb.

Doch endlich erlöst mich Vergessen.

 

 

   

 

 

 

      

 

Auf dem fliederfarbenen Wasser

tanzen die Flammen des Abends.

Schatten

umarmt die goldene Insel.

Durch Jahrtausende

lockt mich das Lied der Kirke.

 

    

 

 

 

 

 

     

 

 

 


Calpe an der Costa Blanca

Flüsternd

donnernd

spricht die Flut

sagt das Geheime

wiederholt

immer dasselbe

immer ein Neues

eine einzige Welle

zu verstehen

wäre der Schlüssel

zu unendlichem

Wissen

 

 

 

 

 

 

 

Hervorgehoben

durch verdämmerndes Licht

gleiten die Schiffe des Schweigens

in die Umarmung der Nacht.

Von Einsamkeit nährt sich

der blauschwarze Abgrund

maßloser Zeit,

und um die Schläfe

kreisen lautlose Falter.

Ohne Stimme

erlischt der Ruf nach dem Morgen.