GEDICHTE VON FREUNDEN

 

 

Freundschaften haben Gewicht, auch wenn sie über weite Entfernungen hin - nach den Gesetzen der Perspektive - auf die Winzigkeit von Atomen verkleinert erscheinen müßten. Aber für Atome gelten ja ganz andere Gesetze. Nicht die optischen. Ich bin kein Physiker. Trotzdem liegt es nahe, von der unergründlichen Schwerkraft zu reden, die nicht nur im Fall des Falles, sondern auch im interstellaren Bereich zu Vergleichen animiert... doch da gerate ich in unwegsames Gelände. Es genügt, daß wir im Weltraum des Internets herumschwirrend einander entdeckt haben, weil wir auf denselben Planeten Zwischenstation machten. Statt ins Gesicht sahen wir einander ins Gedicht. Darum möchte ich, daß hier ein paar Freundesgedichte Wohnung nehmen.

 

Hm. Das klingt gut. Nur hätte ich lieber etwas Handfesteres von der Freundschaft sagen sollen. Später. Ich spüre, es ist höchste Zeit, das Wort zu übergeben. Zuerst nach Lübeck.

 

 

  

 

 

Karin Rohner

 

 

 

schneewittchen

 

 

mit dir hab ich
die weiße hälfte
ausgekostet

der roten sah ich
niemals ins gesicht

kühl hast du meine früchte
in den herbst gehängt

nahmst mit der fülle mir
die schwarze süße

(2005)

 

 

     

   

 

   

   

nordkette


  
wandern auf
verschollten spuren

im norden
barents eisige wege

im süden
ungeklärte gletscherströme

ohne frühling

(2005)

 




sonneninsel
 
aeolus
gott des windes

unter dem arm
sein sonnensegel

jede senke
kreist er zum weiher

wild haust er
nah dem abgrund

als wächter
auf dem kalke

sein wohnturm

 

 

  

 

Das Copyright liegt bei der Autorin.

Karin Rohner hat mehrere Webadressen, zum Beispiel :

http://www.liebesgedichte-liebes-gedichte.de/

 

   

 

 

   

 

 

 

 

 

Mein Dichter-Freund Friedrich lebt in Wien,  seine Liebe gehört dem Sonett  (mit Preisen belohnt),

und seine Thematik offenbart neben den zentralen menschlichen Anliegen auch ein tiefes Interesse für Mythologie und fremde Kulturen....

Mehr von seinen Gedichten auf der Homepage http://www.melosmerulae.at/

 

          

Gedichte von Friedrich

 

 

 

 

   

Ferne


Wenn dich jetzt meine Verse sanft berühren,
verheißt mir Trost allein das inn’re Band,
das Hoffen fest um unser Sehnen wand,
einander eng umfangen nah zu spüren.

Ein Meer voll Feuer Raum und Zeit hier schüren,
in dem versinkend ich dein Abbild fand
am Grund der Seele, bleibend eingebrannt
als Mal genährt von heißen Liebesschwüren.

Dein ausgelassnes Lachen, im Gesicht
so vieler Fremder, tausendfach zersplittert
und widerhallt. Verrauscht. Bis Nähe bricht.

Zwei Albatrosse, werbend, blau umwittert,
die Schwingen in den Wind gebreitet, dicht
an dicht, verlieren sich - mein Blick, er zittert.


 

     

Nebelfee

 

               

Stille leg ich über braches Land,
Flute sanft der Riede Lebensleere,
Starres hüll ich, nehm
’ ihm irdne Schwere,

Kränz kokett mit milchig weißem Band.

Komm, Geliebter fasse meine Hand,
Lass dich führen, dir bin ich Hetäre
Auf dem Weg zu einer andren Sphäre,
Jene Welt hier hat nur kurz Bestand.

Wallend schaff ich deinen Sinnen Nähe,
Trage offen bloß für dich das Haar,
Sink in diesen Schleier und verstehe:

Tief in unsrem Innern sind wir klar,
Zögre nicht, Natur wie ich sie sehe,
Dort allein ist sie voll Licht und wahr.

 

 

 

 

 

 

Feuertaufe

    

In blauer Seide schlummern in der Tiefe
noch all die Träume fern und dunstverloren,
als erstes Purpurrot, vom Tag geboren,
behutsam über Grate quillt als triefe

ein Strom verspielter, junger Feuerwesen
vom Sonnenkelch. Sie werben mitzuspringen,
im freien Fall die Ängste niederringen,
dies sei ihr fester Leitspruch stets gewesen.

Vertrau auf dich! Wie wärmt ihr frohes Necken!
Den Abgrund seh
’ ich gähnend vor mir liegen.

Oh, könnte ich mich doch vor mir verstecken


Warum das Zaudern? Nicht der Furcht erliegen!
Bedarf es nur, die Flügel auszustrecken?
Ja, ja, versichern sie
– schon lernst du fliegen!

 

 

  

© Friedrich