Gereimtes

 

 

 

 

Fernseher

     

 Vor der Fernsehkiste

 

Am Abend sitz ich meistens vor der Kiste,

weil mich das Leid in aller Welt entsetzt.

Dem Nachbarn, der mein Mitgefühl vermißte,

dem mußte ich erklären: Diese Kiste

 

zeigt mir das Elend, und ich fühl mich triste.

So ein, zwei Flaschen Bier – die brauch ich jetzt.

Aus Mitgefühl nur sitz ich vor der Kiste

und bin, wie sichs gehört, entsetzt.

 

 

 

 

    

 


Kobold, alte Illustration
Manchmal lacht er, der Kobold

 

Gedanken am Kellerfenster

 

Ein Fenster,  ja, das braucht man wohl im Keller.

Ganz ohne Kellerloch wär's immer Nacht.

Da nützt auch nichts der schwarze Kohlenschacht.

Nein, nur durch Fenster wird es etwas heller.

 

Hier steht die Zeit. Wo Licht ist, läuft sie schneller.

Es kriechen Spinnen, Asseln, still und sacht.

Kann sein, daß auch ein kleiner Kobold lacht.

Doch draußen klingt das Lachen sehr viel greller.

 

Kartoffeln lagern hier, auch etwas Holz

und manche Dinge, die man einst besessen.

Man schätzte sie vielleicht und war auch stolz.

 

Dann nahm das Leben einen andren Lauf.

Man hat, auch was man liebte, bald vergessen.

Der Vorsatz reift: man räumt hier einmal auf.

 

 

 

                   

        

             

 

 Werbung

 

Papier, bedrucktes. Tag für Tag in Massen

wird es an uns verschickt und ausgetragen.

Warum? Weil alle Werbegurus sagen:

Wenn die Prospekte rascheln, klingeln Kassen.

 

Nicht nur die armen Postzusteller klagen.

Aus Kästen, die die Kilos kaum noch fassen,

entnehmen wir den Hochglanz und erblassen.

So viel  Verlockung schlägt sich auf den Magen.

 

Ob’s hilft, wenn man das Ganze gleich verfeuert?

Wer diese Lösung vorschlägt, der vergißt:

Man heizt mit Öl - und zwar zentral gesteuert.

 

Und außerdem, - was wohl das Schlimmste ist,

(ja, lacht nur)  - ich bin wirklich so bescheuert

und lese auch noch den verdammten Mist.

 

               

 

 

 

Im Spiegel

 

Bisweilen seh ich gerne meine Falten –

ich mag es, wenn der Spiegel zu mir spricht:

„Ganz unverwechselbar ist dein Gesicht,

das Leben zeichnet dich als weisen Alten.

 

Da  schenkt dir jede Rune mehr Gewicht

und zeugt von Kämpfen gegen die Gewalten

des Schicksals, dennoch bist du gut erhalten...“

Er hat doch recht,  der Spiegel – oder nicht?

 

Ich jedenfalls versteh ihn so. Er unterstützt

mein Selbstbewußtsein. Zwar – die lange Reise

durchs Leben hat mich etwas abgenützt.

 

Das weiß ich ja, und ich gestehe leise,

daß mich das Alter nicht vor Torheit schützt.

Nein, Gott sei Dank bin ich nicht ganz so weise.