Advent

 

Noch ahnen wir, noch wissen wir, was Advent ist oder was er sein sollte. Die Zeit rauscht laut an uns vorbei und übertönt die leisen Stimmen in uns, aber manchmal hören wir sie wieder. Das, wovon sie sprechen, reicht weit zurück. Erinnerungen an die Kindheit sind darin enthalten und ein Erinnern, das noch viel tiefer in uns wohnt, ein Erinnern, das so ursprünglich ist wie die Natur selbst. Und da versagen unsere Begriffe, wir haben keinen Namen dafür. Wir spüren nur eine Sehnsucht, die bleibt, auch wenn wir uns noch so viele Wünsche erfüllen. Gerade dann, wenn wir ein Ziel erreicht haben, wenn wir wunschlos glücklich sein müßten, entdecken wir, daß unsere Sehnsucht die Gegenwart hinter sich läßt und unendlich weit hinausfliegt, in die Vergangenheit vielleicht, aber auch in die Zukunft. Diese Erwartung hat den Namen Advent.

 

.

 

 

 

 

Adventfeier

 

Es ist wie vor so vielen Jahren auch:

wenn kurze Tage in das Dämmern schwinden

und Frost die Felder überzieht wie weißer Rauch,

wächst unsre Sehnsucht, warmes Licht zu finden.

 

Noch immer folgen wir dem alten Brauch

und wollen Kerzen in der stillen Nacht entzünden,

damit in der Erstarrung sie mit ihrem Hauch

den Herzen Hoffnung neuen Lebens künden.

 

Fast hätten wir in dieser dunklen Zeit

den Glauben und die Zuversicht verloren,

wir wanderten auf wirren Wegen weit.

 

Doch wieder dringt das Wort an unsre Ohren:

Tut euch der Freude auf und seid bereit,

denn Christus ist auch heut für euch geboren.

 

 

Der Stall von Bethlehem
Oswald Köberl: Weihnacht

 

 

 

 

 

 

 

Advent

 

Wenn Kälte kommt und sich die Nächte dehnen,

laß lautes Leben nicht dein Stillsein stören

und sei nur ganz bereit, das Wort zu hören,

nach dem wir uns in diesen Tagen sehnen.

 

Dann schwingt sich Jubel auf aus Engelschören:

Das Wort ist Fleisch geworden, Friede denen,

die guten Willens sind, und Trost den Tränen!

Gerettet sind, die sonst ihr Heil verlören.

 

Du darfst nicht glauben, das ist lange her.

Noch immer sucht der Friede bei uns Rast

und hat es vor versperrten Herzen schwer.

 

Drum komm, der du dich eingeschlossen hast –

der Bettler, dem du öffnest, das ist ER.

Bereite dich für deinen Friedensgast.

 

 

 

 

               

 

        

 

 

Geflügelter Puttokopf
. . . Ein fröhlicher Himmelsgedanke

 

 

 

 

 

 

 

 

Verkündigung 

 

 

Stell dir den Engel vor, wie ihn auf frommen

Altargemälden große Meister zeigen:

Sieh ihn, den Leuchtenden, sich tief verneigen,

die Jungfrau aber blickt auf ihn beklommen

 

und hört die Botschaft wie Gesang im Schweigen:

„Die Kraft des Höchsten wird dich überkommen -

durch dich, die von der Sünde ausgenommen,

will er als Kind zur Erde niedersteigen.

 

Gib ihm den Namen Jesus. Du wirst sehen,

daß seine Größe alle überragt,

und ohne Ende wird sein Reich bestehen.“

 

Maria ahnt den Kreuzweg. Doch sie sagt:

„Wenn Gott es will, so soll sein Wort geschehen.

Du weißt es ja, ich bin des Herren Magd.“

 

 

 

 

 

Maria hört die Verkündigung
Mariä Verkündigung (Tizian?)

 

 

 

 

 

Die Hirten

 

Sie wachten, um die Herden zu behüten.

doch plötzlich faßte Furcht die guten Hirten.,

es war, als ob die Sinne sich verwirrten,

dann hörten sie – und ihre Herzen glühten –

 

ein Rauschen, wie wenn tausend Flügel schwirrten,

und sahen, daß am Himmel Lichter sprühten,

daß auf dem Winterfelde Lilien blühten

und alle Dinge wie in Flammen flirrten.

 

Grell stand ein Engel da. „Erschrecket nicht.

Gerettet ist die Welt, die sich verfehlte.

In ihre Nacht geboren ist das Licht.“

 

Daß Gott als Zeugen schlichte Hirten wählte,

was für ein Vorzug war es, der da zählte?

Für ihn hat einzig unser Herz Gewicht.

 

 

 

 

 

                          


Der Hirte vor der Krippe
Oswald Köberl: Anbetung des Hirten

    

 

 

  

 

Menschwerdung

 

Wie sollte Gott nicht unsre Ängste kennen,

uns in den Weltenursprung zu versenken

ein Bildnis der Unendlichkeit zu denken,

und ihre Übergröße zu benennen?

 

Doch Ehrfurcht darf nicht von der Liebe trennen.

Drum wollte er als kleines Kind sich schenken

und unsre Sehnsucht hin zur Krippe lenken,

vor der nun unsre Herzen glühend brennen.

 

Er ist nicht unvorstellbar. Er ist nah.

Wie macht sein reines Kindsein uns betroffen,

wie innig ist das Wunder, das geschah.

 

In stiller Nacht erfüllt sich unser Hoffen:

Als unser Bruder ist der Retter da,

und seine Arme sind für alle offen.


 

 

 

 

  

 

 

 

 

Tiroler Weihnachtskrippe
Meine große Weihnachtskrippe

                

                   

Drei Könige

 

Sie waren nicht sehr mächtig, die drei Weisen

aus einem armen, weit entfernten Land,

doch als der Stern so hell am Himmel stand,

beschlossen sie, zum Gotteskind zu reisen.

 

Das Leuchten aus der Krippe war wie Brand,

sie hörten Engel ihren Schöpfer preisen

und knieten nieder, opferten die leisen

und reinen Gaben, die ihr Ahnen fand:

 

Das reine Gold der Liebe brachten sie,

auch einen Glauben, der zum Himmel wehte

wie Weihrauch - und wie Myrrhenduft gedieh

 

die Hoffnung auf den Retter. Innig flehte

ein jeder: „Gottes Sohn, verlaß uns nie!“

und wußte, er erhörte die Gebete.

 

                          

 

 

 

                    

 

 

Viele Jahre hindurch habe ich bereits ab Oktober Entwürfe für meine weihnachtlichen Grußkarten gezeichnet und daraus Radierungen erarbeitet - eine mühevolle Sache, die viel Übung und Geduld erfordert. Aber es war mein Ehrgeiz, die Glückwünsche für meine Verwandten und Freunde so persönlich wie möglich zu gestalten.

 

Vermutlich haben manche nicht mehr als einen Blick darauf geworfen und gesagt: "Aha, der Oswald."

Umso größer  war die Freude, wenn sich da und dort die Sammlerleidenschaft regte oder sich gar eine Wand als geeignet erwies, die Graphiken in ihrer Summe zu präsentieren. Ja, die brauchen inzwischen - gerahmt - eine Menge Platz. Zu viel, habe ich den Eindruck. Zeit für eine schöpferische Pause.

 

Auch das Dichten verträgt - jetzt vor Weihnachten - eine kurze Zeit der Erholung. Und doch drängt sich schnell noch ein Schüttelreim (leicht karikierend) in die Tasten...

 

Weihnachtspoesie

Die Kerze flackert, wenn im Dämmerlichte
ich über Krippe, Hirten, Lämmer dichte.

 

 

                         

 

          

Meine Weihnachtskrippe
Meine Krippe, selbst modelliert, gebrannter Ton