Herbst

     

 

 

Buntes Herbstlaub
Feuriger Absschied

Man spürt den Herbst

 

Man spürt den Herbst. Hörst du die Hirsche röhren?

Ich nicht. Ich übe für den Winterschlaf

und stopf die Ohren zu.  Mich kann nichts stören –

auch nicht die Hirsche, die im Dickicht röhren.

 

Ein Röhren soll das sein? Ich könnte schwören,

da mäht nur irgendwo ein kleines Schaf.

Ja, es ist Brunftzeit, wenn die Hirsche röhren.

Das stört mich nicht. Mich lockt der Winterschlaf.

 

 

 

 

 

 

Herbstblätter
Blätterfall

   

    

Herbstlicher Spuk

 

Ich kann mich plötzlich kaum mehr rühren.

Verdammt, das ist ein Hexenschuß.

Ein solcher Treffer macht Verdruß

und muß die Wut auf Hexen schüren.

 

Der Drudenfuß an allen Türen,

geweihtes Wasser, Guß um Guß -

so mach ich mit dem Zauber Schluß.

Bald werde ich die Wirkung spüren:

 

Schon lockert sich mein steifer Rücken,

der Spuk verschwindet! Wer beschreibt

mein Hochgefühl und mein Entzücken!

 

Daß Hexen man so schnell vertreibt –

ich wußte gleich, es würde glücken.

Wo heute nur die Liebste bleibt?

 

Wilder Wein  in  Herbstglut
Klosterhof in Neustift

 

Später Herbst

 

Ist denn nicht Herbst? Ich sag dem späten Schein 

noch einmal Dank. Der Himmel leuchtet rein.

Zwar weiß ich, unser Leben ist nur Lehen,

die Tage kommen und sie müssen gehen.

Doch dieser Abschied tut nicht weh - oh nein.

 

Das große Jahr liegt auf dem Opferstein

und wird schon bald ein stummes Beten sein

und mit den Stürmen ins Vergessen wehen.

Ist denn nicht Herbst?

 

Ich messe meinen Weg. Der Rest ist klein.

Der letzte Übergang bleibt mir allein.

Noch aber hüllt mich Liebe und Verstehen.

Mit Freunden will ich in den Abend sehen –

die Sonne spiegelt sich im neuen Wein.

Ist denn nicht Herbst?

 

 

 

 

         

 

 

Herbstliche Lärche
Oktoberfärbung

 

 

    

 

 

Herbstliche Runde

 

Es kreist der Korn. Laßt uns die Klarheit trinken.

Ja, schenkt nur nach. Wie wohl das heute tut.

Was kümmerts uns, daß nun die Tage sinken.

Wir können ja im Korn die Klarheit trinken.

 

Die bunten Blätter in den Zweigen winken.

Versöhnlich lachend gibt der Abschied Mut.

Im Kreise geht der klare Korn. Wir trinken

und schenken nach. Wie wohl das heute tut.

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

   

 

 

Wolken, früher Schnee
Kühle Aussichten

    

Sonntag 

 

Das soll ein Sonntag sein? Daß ich nicht lache.
Ich bin noch keinem Sonnenstrahl begegnet.
Die Wolken hängen dicht, es stürmt und regnet,
man könnte fast ertrinken. Nichts für Schwache.

An einen Ausflug ist da nicht zu denken,
ans Wandern in die wohlig warme Weite.
Die Luft ist kalt, als ob es bald schon schneite...
Ach was, ich will mir das Gejammer schenken.

Am besten ist es, ich verkriech mich wieder.
Erst noch der Braten und ein Gläschen Wein,
dann ab ins weiche Bett - ich leg mich nieder.

Schon gähne ich und döse friedlich ein.
Wie wohl wird mir - sind das nicht Vogellieder?
Was für ein traumhaft goldner Sonnenschein!

 

 

       

 

 

 

                           

 

Jagdsaison

       

Ich bin nicht un-, im Gegenteil, sehr wirsch,
wenn mich am Biertisch meine Freunde fragen:
„Nun sag einmal, wie hältst du’s mit dem Jagen?“
Dann lache ich: „Heut war ich auf der Pirsch

und traf auch wirklich einen tollen Hirsch...“
beim Metzger. Ach. Das muß ich wohl nicht sagen.
Der Braten liegt mir allerdings im Magen,
ich aß zu viel. Dagegen hilft nur Kirsch.

Der stammt aus Flirsch, aus diesem kleinen Ort
am Arlberg, falls Sie die Gegend kennen.
Wie dem auch sei. Ich war schon mehrmals dort.

Der beste Schnaps der Welt. Doch Namen nennen –
das darf ich nicht, ich gab mein Ehrenwort.
Die Leute pflegen nämlich schwarz zu brennen.
      
     
 

  

 

Späte Stunde

 

Der Herbst verglüht. Man sitzt beim dunklen Wein

und denkt: war ich nicht gestern noch ein Kind?

Wie fliegt das Jahr, wie fliegt die Zeit geschwind.

Schon morgen kann der Weg zu Ende sein.

 

Doch heute soll uns das nicht kümmern, nein.

Komm her und freu dich, daß wir beide sind.

Komm her und spüre auf der Haut den Wind

und letzte Wärme aus dem späten Schein.

 

Noch einmal heben wir das volle Glas

und schauen uns ins Auge, lang und tief.

Was ist? Was zitterst du? Was wirst du blaß?

 

War da die ferne Stimme, die uns rief?

Spielt da der Zeitenspieler schon sein Aß?

Singt uns zum Schlaf ein Gott, der lange schlief?

 

 

 

  

  

Herbstfrühling

 

Mißmutig schließt der Herbst die Fensterläden,

und dämmergrau und müde bleicht das Licht.

Im Feld, das keine Früchte mehr verspricht,

zieht Nebel seine blassen Spinnenfäden.

 

Da reden andre von Verzicht und Trauer.

Uns aber greift der Frost nicht ins Gemüt,

weil in uns alles glüht und alles blüht.

Statt der Vergänglichkeit gilt uns die Dauer.

 

Setz dich an meine Seite, atemnah.

Schau mir ins Aug. Kannst du den Sturmwind hören?

Geborgen sind wir. Niemand soll uns stören.

 

Uns strahlt ein Frühling, wie ihn keiner sah.

Bei Kerzenschein, bei Wein und süßen Nüssen

versinken und ertrinken wir in Küssen.