Wintereinbruch

Winter

 

 

 

Wintereinbruch

geschüttelt

                       

"Ach, strick mir warme Socken", fleh

ich, "weil ich weiße Flocken seh."

Dohle Zugspitze Nebel
Zugspitz-Dohle

Wintereinbruch

 

Es nebelt leicht. Schon fallen erste Flocken.

Wer jetzt kein Heim hat, der braucht warme Socken,

denn auf dem Weg durch windige Alleen

holt er sich allzu leicht erfrorne Zehen.

Von fernen Türmen hallt der Schlag der Glocken.

 

Die Raben, die sonst still im Baume hocken,

vermöbeln sich um irgendeinen Brocken.

Ihr böses Krächzen würd’ ich gern verstehen.

Es nebelt leicht...

 

Die Autofahrer gucken ganz erschrocken,

nur Kinder werfen Bälle und frohlocken.

Mir aber widerstrebts, hinauszugehen

in diesen Abend, in sein nasses Wehen.
Der Ofen wärmt mich. Und der Wein ist trocken.

Es nebelt leicht...


 

 

 

 

      

Schneelandschaft, Winter
Mieminger Plateau

Frost

 

Still fällt der Schnee, und sehr diskret

versinkt das Land. Das Jahr verweht.

Man sucht die rechten Abschiedsworte

für ein Gefühl, das lang verdorrte,

und weiß, daß man ins Dunkel geht.

 

Die Uhren schlagen. Es ist spät.

Wie schnell sich doch der Erdball dreht.

Noch gibt's nicht Zeit aus der Retorte.

Still fällt der Schnee.

 

Doch was den Frost noch übersteht,

wird für die Zukunft ausgesät.

Ein neues Jahr tritt durch die Pforte

und kündet Zuversicht im Forte.

Ganz heimlich denkt man ein Gebet.

Still fällt der Schnee.

     

Schneezauber
Gefiederte Kristalle

 

   

 

     

 

 

Winter

 

Wie wenn dir jemand von sehr ferne schriebe,

ein großer, weißer Brief mit fremden Zeichen,

so scheint der Schnee ganz still hineinzureichen

als Bote in das tägliche Getriebe.

 

Du spürst: er kündet dir von einer Liebe,

die – ließen alle dich allein in bleichen

und hoffnungsmüden Sorgen – doch mit weichen

Verwöhnungen dir tröstend nahe bliebe.

 

Geh durch die Felder, die so seltsam schweigen,

lies ihre Schrift und lausche, was der Rabe

dir sagt, der auffliegt aus den weißen Zweigen.

 

Der Winter, siehst du, breitet seine Habe:

ihm sind die Demut und die Stille eigen,

 und was dein Herz erfaßt, bringt er als Gabe.