musikalien

 

 

 

 

 

        

 

 

Angler am Gebirgsbach
Hugo Engl: Selbstbildnis

Die Forelle

  

In einem Bächlein, ja, es war schon helle,

da schwamm... bei „Schwamm“ denk ich an Pfifferlinge...

doch schwamm sie nicht. Es ging um andre Dinge.

Nein, nein: sie schoß, die launische Forelle.

 

Zum Glück daneben. Das auf alle Fälle.

Vorüber wie ein Pfeil. Ich hoff, ich bringe

das klar genug zum Ausdruck, wenn ich singe.

Sie war zu sehr in Eile, war zu schnelle.

 

Und deshalb endet die Geschichte trübe.

Den Angler, der da still am Ufer ruhte,

den sah sie leider nicht bei ihrem Bade.

 

Vermute ich – weil ich das Lied erst übe.

Soviel steht fest: der Angler fing die Gute.

Und schuld daran war nur das Baden. Schade.

 

 

  

 

 

 

Swing

 

Bei Mozart, Haydn oder Bach -

mit René Jacobs, Harnoncourt -

da swingt es, ja, da werd ich schwach...

bei Mozart, Haydn oder Bach.

 

Ob säuselnd, prunkend (bloß kein Krach) –

ich liebe sie in Moll und Dur,

Musik von Mozart, Haydn, Bach

mit René Jacobs, Harnoncourt...

 

 

 

  

 

 

Jordaens Sprichwörter
Jordaens: Sprichwörter "Wie die Alten sungen..."

   

 

Das Sprichwort: „Wie die Alten sungen,

so zwitschern…“  ach, das gilt nicht mehr.

Ein andrer Sound  herrscht bei den Jungen –

wen kümmert, wie die Alten sungen.

 

Auch fiele mit verrauchten Lungen

das Zwitschern schon ein wenig schwer.

Und ehrlich: was heißt schon  gesungen -

Verstärker hoch, noch mehr, noch mehr!

  

 

 

  

 

 

 

 

Sibelius

Ohne Finlandia

 

Sibelius? da übe ich Verzicht.

Er dämmert mir zu nordisch breit und schwer.

Den Meister Wagner, den veracht ich nicht.

Allein beim Finnen übe ich Verzicht.

 

Ich freu mich an Rossinis Perlenlicht,

und Opern von Vivaldi mag ich sehr.

Drum üb' ich bei Sibelius Verzicht.

Der dämmert mir zu nordisch breit und schwer.

 

 

 

 

   

 

 

Ein Klavierabend

 

Zum Abschluss gibt’s noch eine Fuge.

Frag nicht von wem. Natürlich Bach.

Sudokuklänge – nur für Kluge,

für Rechenkünstler taugt die Fuge.

 

Unheil, was hilfts, du bist am Zuge.

Nimm deinen Lauf trotz Weh und Ach.

Zu Ende ging noch jede Fuge,

und artig seufzt man: „Schön, der Bach.“

  

 

 

  

            

              

                     

            

           

 

 

 

 

 

 

Rachmaninow

 

Ich sag euch, gestern der Rachmaninow...

Voll Kraft und Zartheit war der Pianist,

der tief empfindend in die Tasten schloff –

d-Moll, das dritte von Rachmaninow.

 

Und wie die Stirn des Pianisten troff!

Das war ein Eindruck, den man nie vergißt.

Ich glaube, jeder liebt Rachmaninow –

vorausgesetzt, er ist kein Pianist.

 

 

  

 

 

 

 

 

 

  

Mozart-Porträt - Ausschnitt
Wolfgang Amadé Mozart

Mozartoperette

 

Schrieb Mozart diese schöne Operette?

Man sagt, ihn sponserte ein Wüstenscheich.

Wie meinen Sie? Ach so, mir ists ja gleich.

Ich denke an das Geld. Wenn ich das hätte.

 

Nicht nur die süße Liebe macht uns reich.

Ein Solo? Meinen Sie die Klarinette?

Ach so - die Sängerin, die schwarze, nette...

ein wenig schrill, doch die Figur war weich.

 

Und der Tenor? Der sprang in einen Teich.

Er hoffte wohl, daß irgendwer ihn rette.

Ganz naß kroch er heraus und totenbleich

 

und nahm zur Braut die andere, die fette.

Nicht Mozart, sagen Sie? Das war ein Streich?

Jetzt brauch ich dringend eine Zigarette.


 

  

  

 

 

 

 

 

 

Zauberflöte Noten um 1800
Zauberflöte - Klavierauszug

Mozart

 

Mit Mozart tun wir uns oft schwer,
weil er uns alle übersteigt.
Schmerzt uns das Knien denn so sehr?
Nun ja, wir tun uns eben schwer.

Er lacht, wenn er vom Himmel her
sich zu uns armen Grüblern neigt.
Er weiß ja alles. Es ist schwer,
daß er uns spielend übersteigt.

 

 

 

 

 

 

  

Zu laut

 

In Zukunft werde ich auf Töne schießen.

Sie sind mir nämlich allesamt zu laut

und hindern mich, die Ruhe zu genießen.

Da hilft nur eins - die Töne zu erschießen.

 

Den Musikern wird manche Träne fließen,

weil ihnen vor dem Tod der Töne graut.

Umsonst. Ich werde auf die Töne schießen.

Gerade merke ich - auch du bist laut.

 

 

 

 

 

 

 

Belcanto 

 

Ein Gesangslehrer hat in Berlin
am Beruf, der so schön ihm erschien,
alle Freude verloren.
Er verstopfte die Ohren,
weil die Schüler so fürchterlich schrien.

 

 

 

 

 

 

Pianissimo

 

Es blies ein Trompeter in Kiel,
und so leise und zart war sein Spiel,
daß kein Mensch etwas hörte.
Ob das irgendwen störte?
Im Gegenteil, nein - es gefiel.

 

 

 

 

 

 

Tönende Tasten

 

Wenn einer in die Tasten greift,

entstehn im allgemeinen Töne.

Nur klingts nicht immer ausgereift,

wenn einer in die Tasten greift.

 

Man weiß, daß er sich drauf versteift,

er liebe alles Gute, Schöne –

doch wenn er in die Tasten greift,

dann hört man leider falsche Töne.

 

 

  

 

 

 

Der Gesangslehrer spricht...

              

 

Meinst du vielleicht, ich kann Carusos klonen?

Die Übung machts. Du kommst nicht drum herum.

Ganz simple Dinge. Kein Brimborium.

Und schmettere nicht los wie die Ikonen.

 

Gewöhn dir an, das Instrument zu schonen.

Beginne leise, fast als wärst du stumm,

such in der Mittellage mit Gesumm

die Resonanz. Die Mühe wird sich lohnen.

 

Vor allem aber übe und benütze

den Atem. Tief, ganz  unten muß er sein.

Auf manche Töne zielt man wie ein Schütze.

 

Und das schafft unser Stimmband nicht allein.

Man braucht das Zwerchfell für die Atemstütze.

Mein Mund ist trocken. Hol die Flasche Wein.

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Premiere

 

Die Oper war ganz neu. Orchesterklänge

im Zwölfgetön – sie waren einfach schön.

Und der vokale Teil: fast wie Gestöhn,

bisweilen auch, als ob ein Rabe sänge.

 

Belcanto, Sie verstehn, in Übermaßen

und sehr bizarr, da blieb uns nichts erspart.

Dann wieder ein Fortissimo, So zart,

daß wir den Sinn der Handlung fast vergaßen.

 

Der nämlich blieb, dank glänzender Regie,

aufs äußerste verwirrt und dunkel wie

das Bühnenbild. Wir haben nichts begriffen.

 

Ein wunderbarer Abend, der Applaus

durchfuhr wie Sturm das Opernhaus

mit Buhgeschrei, Getrampel und mit Pfiffen.

 

 

 

 

 

    

 

 

 

 

 

 

Gemälde Quartett im Grünen

Quartett im Grünen

  

"Ihr seht, die eine Saite liegt im Schatten",

sagt der Cellist, "drum klingt das G so kühl,

doch da im Sonnenlicht ist's wieder schwül.

Das A - ihr merkt es - wird schon bald ermatten."

 

Der Geiger lacht. "Hör auf mit deinen platten

Entschuldigungen. Dir fehlt nur Gefühl."

Dann spielen sie zu viert. Ein Tongewühl.

Es schrillt wie Pfeifen und Gekreisch von Ratten.

 

Ringsum blüht fröhlich bunt ein Blumengarten.

Ganz ohne Klang genösse man das schöne Bild –

die Einsicht läßt nicht lange auf sich warten.

 

"Wenn wir schon spielen", sagt der Bratscher mild,

"dann, Freunde, lieber eine Runde Karten,

bevor uns der erzürnte Nachbar killt."

 

 

     

 

 

 

  

 

 

Harfenspieler, alt, Jugendstil
Harvenspieler von Berthold Löffler 1910

Nach dem Anhören von Webers Oberon

     

Ein Oberton im Saitenspiel
sah ein: da war ein T zuviel.
Er warf es fort. Im Reich der Geister
ist er seither der Obermeister.

 

 

 

 

     

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

  

 

 

 

  

 

 

  

 

 

  

  

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