SCHÜTTELREIME

Andreas Hofer
Andreas Hofer, Lithographie

Ein Gedenkjahr des Tiroler Freiheitskampfes erinnert nicht nur  an den energischen, idealistischen und politisch zu ehrlichen Gastwirt, Weinhändler und Oberkommandierenden Andreas Hofer, sondern auch an die Nebenerscheinungen.  Schützen sind ehrenwerte Leute - nur die Feiern sind gefährlich. Wie auch bei anderen Vereinigungen, die aus Menschen bestehen...

 

Der Aktualität wegen steht jetzt einmal der beinahe vierfache Schüttelreim an erster Stelle.

Der Inhalt ist frei erfunden und fern der Realität, um es nochmals zu betonen.

 

 

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Schützenfeiern zum Bergisel-Gedenken

 

Man glaubt, wenn sie in ihre Trachten schliefen

und Reden stolz vom Ruhm der Schlachten triefen,

daß sie meist im Granatentrichter schlafen,

sie, die kein Ziel, sieht man es schlichter, trafen.

 

 

 

 

 

 

 

    

Erlkönig

 

 

Wer reitet durch Nacht und kühlenden Wind

mit einem im Fieber wühlenden Kind?

Der Vater, er hält den Knaben geschickt

und hat auch schon ein paar Schaben geknickt.

(Daß das Büblein sie ja nicht mehr necken täten,

vertrieb er sie rasch aus den Deckennähten.)

 

„Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?“

„Der Erlkönig schreckt mich und sein Gedicht.

O sieh, wie mit Schweif er und Kron‘ da säuselt!“

„Ich seh, daß sich Nebel, mein Sohn, da kräuselt.“

 

„Ich schenke dir, Süßer, viel holde Gaben,

und du sollst auch Kleider von Golde haben,

meine Töchter sind fein und adelich,

zum Reihen, dem nächtlichen, lade ich!

Sie befassen mit reizenden Dingen sich

und wiegen dich ein und umsingen dich.“

 

„Und sieh seine Töchter im matten Schein!“

„Du ängstigst dich nur vor dem Schatten mein –

laß nicht dich von Geistern und Feen stören –

da drüben, mein Kleiner, da stehen Föhren.“

 

„Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt“,

hat brünstig des Königs Gestöhne geschallt.

„Doch bist du, mein Freundchen, nicht bald mir willig,

dann allerdings scheint auch Gewalt mir billig.“

„Mein Vater, er hat mich elendig erwischt,

mein Lebenslichtlein inwendig erlischt!“

 

 Du siehst den Papa mit Gezitter reiten,

er spornet sein Roß wie in Ritterzeiten.

Daß er heimkommt mit Mühe und Not, ist dämlich,

weil das Kind inzwischen schon tot ist, nämlich.

 

 

 

 

 

  

 

 

Erlkönig - Schwind
.Der Erlkonig von Moritz v. Schwind *

  

 

Der Zauberlehrling

 

„Ist der alte Hexenmeister

(Adriaen van Mexen heißt er)

endlich aus dem Haus geeilt?

Wird die Sehnsucht ausgeheilt?

Will für eine Stund erwecken

Geister mit dem Wunderstecken.                   

Sei, du alter Besen, willig –

bist als Dienerwesen billig.

Hab zwei Beine, deinen Kopf –

doch du hast noch keinen Topf.

Nimm dort unterm Bett die Vase,

die vergaß, ich wett, die Base.

Und nun komm, du runder Wicht

und für mich ein Wunder richt!

Treib in höchstem Grad es bunt,

Wasser schütt in Bades Grund,

schütt es in das reine Becken,

will dort meine Beine recken.

Wasser, du mein Guter, fließe

und sich dort als Flut ergieße!

Sieh, er eilt, mein Gott, zum Flusse,

kehrt zurück schon, flott, zum Gusse!

 

Wie er mit der Kanne wallt,

gießt sie in die Wanne (kalt!).

Jede Schale, Tasse – voll,

daß ich kaum es fasse – toll!

Steh, das ist mein Wille, stehe!

Doch er steht nicht stille, wehe!

Bin am ganzen Leibe blaß.

Steh, hör auf, jetzt bleibe! Laß!

Willst nicht mein Gestammel hören –

nichts kann dich, du Hammel, stören!

Stürzen auf mich hundert Wasser,

werd ich, was nicht wundert, Hasser.

Höre, der gewaltge Besen

bist du nunmehr bald gewesen!

Stell mich eine Weile bieder,

kehr dann mit dem Beile wieder,

will dich wie zum Spaße halten

und dich, den ich hasse, spalten.

 

Herr, zu dem ich suchend flehe,

sieh doch, was ich fluchend sehe:

Diese beiden Täterstücke

schleppen fort in steter Tücke,

zwei sinds, die nun Flüsse gießen,

zwei sinds, deren Güsse fließen,

beide tragen zu der Schwelle wild

Wasser, und die Welle schwillt.

Jetzt erfaßt mich blinde Wut,

schrei in alle Winde: Blut!

Sollt ihr länger schleppen dürfen?

Wer soll das, ihr Deppen, schlürfen?  

Ach da kommt der Wundertäter,

nun gibts wohl ein Tunderwetter.“

 

„Ja, ich will dir sauber zünden!

Das kommt von den Zaubersünden. -

Nehmet an ein bieder Wesen,

Hört mein Wort: Seid wieder Besen!

Sags mit festem Mute: Geister,

euch ruft nur der gute Meister.“

 

 

Zauberlehrling Goethe
E. Schütz: Der Zauberlehrling (Postkarte)*

 

 

 

 

 


Des Dichters Klage

  

Von Doktor B. stammt der Verriss zum Band
mit meiner Lyrik. Trotz zu hellen Stoffen,
so schreibt er, ließen manche Stellen hoffen,
dann aber stiege Schwachsinn bis zum Rand,

so dass er vor besondren Funden stand,
vor Texten, die ein Meer von Tränen soffen,
zugleich wie schmalzgetränkt vom Sehnen troffen
und deren Sinn er erst nach Stunden fand.

Auch machte, dass ich so viel klaute, beben,
und an dem Süßen, das mein Herz verschönte,
blieb er, statt dass es ihn erbaute, kleben.

Nein, Verse klaute ich – mit Wissen – keine!
Und dass er mich mit üblem Scherz verhöhnte,
trifft mich so tief, dass ich ins Kissen weine.

 

 

 

 

 

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* Das Bild wurde mit freundlicher Genehmigung übernommen aus dem Goethezeitportal (http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3857 )